Über die Carl Legien Wohnstadt
„Wenn wir heute die Prenzlauer hochkommen, vom Alex mit der Bahn und sehen links und rechts in die dunklen Straßen und kommen dann in die Siedlung, dann sagen wir: Endlich ist wieder Licht, wir sind wieder Zuhause.“
Mit diesen Worten beschriebt ein Bewohner seinen Wohnort, die Wohnstadt Carl–Legien im Prenzlauer Berg. Die Siedlung ist eine der vielen Bauten aus der Zeit der Weimaer Republik, die die damals herrschende Wohnunsnot lindern sollten. Mit Licht, Luft und Farbe wurden die Bewohner beschenkt und nicht, wie in den dunklen Mietskasernen der Gründerzeit, mit drittem Hinterhof und Toilette auf der Treppe.
In den Jahren 1928-30 entstand die Wohnstadt nach den Entwürfen von Bruno Taut und Franz Hillinger. Benannt wurde sie nach dem deutschen Gewerkschaftsführer Carl Legien, wohl auch weil es sich um eine genossenschaftlich-gewerkschaftliche Unternehmung handelte. Zu finden ist die Anlage an der Erich-Weinert-Straße zwischen Gubitz- und Sültstraße.
Bemerkenswert ist nicht nur die fortschrittliche Funktionaliät des Wohnkomplexes, sondern auch die ästhetische Form- und Farbgestaltung. Beim Entwurf orientierten sich die Architekten stark am Vorbild der 1920/21 in Rotterdam entstandenen Tusschendijken-Siedlung des Niederländers J. J. P. Oud. Statt der aufwändig verzierten Fassaden der Gründerzeitgebäude wurde nun schlicht gebaut; mit klaren Linien und den Bedürfnissen der Bewohner angepasst. Um die begrünten Innenhöfe, in denen zeitweise Anwohner auch ihre kleinen Gärten pflegten, gruppieren sich 6 U-förmige Wohnblocks geprägt von vielfältiger Farbgestaltung.
Die Wohnsiedlung wurde im Jahr 1994 unter Denkmalschutz gestellt und 1994 umfassend saniert und renoviert, was auch die Rekonstruktion der ursprünglichen Farb-und Putzgestaltung einschloss. Schließlich wurde die Wohnstadt als eine von sechs "Siedlungen der Berliner Moderne" in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.




Literatur
Siedlungen der Berliner Moderne. Haspel, Jörg. Jaeggi, Annemarie (Hg.). Deutscher Kunstverlag München Berlin, 2008.
Siedlungen der Berliner Moderne; Berlin Modernism Housing Estate; Eintragung in die Welterbeliste der UNESCO. Dtsch.-Engl.
herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin, Braun Verlag 2009.
